LF 2 · Arbeitsplatz ausstatten · 8/42 · 65 Min. angesetzt – Langform, jedes Wort zählt
Ergonomie Barriere Abnahme Aussonderung
Ein Kasten, der piept, ist noch kein Arbeitsplatz. Der Mensch sitzt dort Stunden. Das Gesetz und die Vernunft verlangen, dass der Platz ihn nicht kaputt macht. Die Abnahme verlangt, dass Soll und Ist in einer Liste zusammenkommen und jemand unterschreibt, der dort arbeitet. Die Aussonderung verlangt, dass Daten und Inventar nicht im Keller weiterleben. Wer nach dem Image aufhört, hat LF 2 zur Hälfte unterrichtet.
Dieses Kapitel ist absichtlich das letzte. Ergonomie und Barriere gehören schon in den Bedarf – hier lernst du, woran du sie erkennst und misst. Abnahme ist der Nachweis, nicht das Gefühl „läuft“. Aussonderung ist der letzte Change am Gerät: Daten tot, Nummer zu, Teil den Weg, den das Gesetz für Elektroschrott und für Akten vorsieht. In AP1 kommt oft genau diese Kette: du hast beschafft, jetzt übergibst du und entsorgst das Alte.
Ergonomie ist Messung, nicht Kissen
Bildschirmarbeit ist in der Arbeitsstättenverordnung und in den Regeln zur Bildschirmarbeit beschrieben. Du musst kein Arbeitsmediziner sein. Du musst die Stellschrauben kennen, die ein IT-Arbeitsplatz setzt: Schirm, Tastatur, Maus, Licht, Sitz, Beinraum, Kabel. Ein Laptop allein auf dem Küchentisch ist für zwei Stunden Homeoffice eine Ausnahme. Für den Dauerplatz im Betrieb ist er ein Mangel, sobald Schirmhöhe, Abstand und Tastatur nicht getrennt sind. Deshalb Dock, externer Schirm, externe Tastatur – nicht weil es teuer aussieht.
Bildschirm
Obere Kante auf Augenhöhe oder knapp darunter, Abstand etwa eine Armlänge, Blick leicht nach unten. Zwei Schirme: gleiche Höhe, gleiche Skalierung, keine Halswirbel-Tour zwischen 24 Zoll und einem Laptopdeckel. Glanz und Fenster im Rücken erzeugen Spiegel. Schriftgröße und Skalierung des OS sind Ergonomie, nicht Geschmack des Sehens. Ein 27-Zoll-4K ohne Skalierung ist Kleingedrucktes mit teurer Panel-Werbung.
Tastatur und Zeigegerät
Getrennt vom Schirm, vor dem Körper, Handballen nicht dauerhaft auf der Tischkante mit Knick nach oben. Eine Laptop-Tastatur am Dauerplatz erzwingt genau diesen Knick, weil der Schirm sonst zu tief sitzt. Maus oder Trackball nach der Arbeit, nicht nach dem Merch. In der Halle: Handschuh, Staub, oft andere Taster. Das steht im Use-Case, sonst kommt in der Abnahme „geht nicht mit Arbeitshandschuh“.
Licht, Sitz, Kabel
Kein Fenster direkt im Schirm, keine dunkle Ecke mit einer hellen Fläche. Stuhl und Tisch höhenverstellbar, Füße auf, Rückenlehne trägt. Kabel nicht als Schlinge am Stuhlbein – das ist Unfallverhütung, nicht Ästhetik. Unter Tisch: Luft für den Turm, kein Wäschetrockner aus Staubleinwand. Headset mit Volumen und Mute, wenn Telefonie der Use-Case ist. Wer das als „nice to have“ abtut, zahlt es in AU-Tagen und in Tickets „Kopfschmerzen am Nachmittag“.
Prüfen kannst du das in zehn Minuten am Platz: hinsetzen, nicht du im Stehen über die Schulter. Blick, Abstand, Spiegel, Kabel, Dock-Griff mit einer Hand. Die Person, die dort arbeitet, macht die Bewegung. Du schreibst, was abweichend ist. Ein Foto in die Abnahmeakte ist erlaubt, eine Chatnachricht „passt“ ist keine Ergonomieprüfung.
Barriere ist Pflichtlage, nicht Extra
Barrierefreiheit am IT-Platz heißt: der Mensch kann die Arbeit ohne Sonderdemütigung tun. Das kann Kontrast und große Schrift sein, Tastatur statt nur Maus, Screenreader, Braillezeile, angepasste Höhe, Einhandbedienung, Untertitel am Schulungsvideo. Im öffentlichen Auftrag und im Haus mit Schwerbehindertenvertretung ist das rechtlich hart. Überall ist es fachlich hart: ein Image, das Kontrastthemen zerbricht oder das die Tastatur in Dialogen nicht durchlässt, ist ein mangelhaftes Image.
Barrierefreiheit am Platz
OS-Hilfen (Kontrast, Zeiger, Lupe, Narrator/Orca), erreichbare Tastaturbedienung der Fachanwendung, höhenverstellbarer Tisch, ausreichende Beleuchtung ohne Blendung. Die Anforderung steht im Bedarf, sobald sie bekannt ist – und du fragst danach, statt zu hoffen, dass niemand sie braucht. Nachrüstung drei Monate nach der Abnahme ist der teure Weg, denselben Tisch zweimal zu kaufen.
BITV / WCAG als Richtung
Öffentliche Stellen haben harte Web- und Intranet-Pflichten. Am Arbeitsplatz gilt analog: Fachanwendung und Image dürfen die Hilfsmittel nicht absichtlich zerlegen. Du musst keine Auditorin werden. Du musst eine Tastaturbedienung testen, einen Screenreader-Start nicht als „Spielerei“ abtun und Tickets dazu ernst nehmen. In der Prüfung reicht oft: Barriere ist Abnahmekriterium, nicht Dekoration.
Abnahme: Soll gegen Ist, mit Unterschrift
Abnahme ist der Moment, in dem Auftraggeber und Auftragnehmer sich einig sind, dass der Soll-Zustand wahr ist – oder dass die Abweichung benannt und terminiert ist. Ohne Checkliste ist „fertig“ Geschmack. Ohne die Person, die dort arbeitet, ist es Theater für das Inventar. Ohne Inventarnummer, BitLocker-Escrow und Join ist es ein Kasten, den der Service nicht kennt. Die IHK will das Protokoll. Der Betrieb will es umso mehr, wenn in sechs Wochen der Schirm flackert und niemand weiß, ob er zur Lieferung gehörte.
Abnahmeprotokoll
Liste der Kriterien aus dem Soll, Datum, Messwerte wo es sie gibt (RAM, Platte, Schirmmodell, BitLocker an, gpresult ohne Fehler, Fachanwendung startet, Druckseite kommt, Dock weckt). Unterschrift der IT und der Person am Platz oder der beauftragten Stelle. Offene Punkte mit Frist, nicht als unsichtbarer Rest. Ein Foto des Typenschilds und der Inventarnummer rettet später die Garantie. Ein Passwort auf einem Zettel unter der Tastatur ist kein Übergabegeschenk, es ist ein Vorfall.
Unterweisung
Kurze, wiederholbare Erklärung: Anmelden, Sperren, Dock, wo die Daten liegen, wo sie nicht liegen (USB, Desktop als einziges Backup), wie ein Ticket entsteht, welches Konto Alltag ist. Ohne das hängt der Service in Woche eins an „wo ist der Anschaltknopf“ und in Woche zwei an „die Datei war auf dem Stick“. Die Unterweisung gehört ins Protokoll, nicht in ein mündliches „Sie finden sich schon“.
- Soll-Liste aus Kapitel 1 auf den Tisch. Gerät und Peripherie gegen Inventar prüfen.
- Messen: RAM, Platte, Schirme, Netz, Join, Richtlinie, Verschlüsselung, Pflichtsoftware.
- Ergonomie und Barriere am sitzenden Menschen, nicht am stehenden Techniker.
- Unterweisen: Sperre, Datenort, Ticket, Alltagskonto.
- Offene Punkte mit Datum. Unterschriften. Inventar und CMDB fortschreiben.
- Altes Gerät nicht „erstmal in den Schrank“ – Aussonderung ist der nächste Schritt, kein Keller.
# Kurz prüfen vor der Unterschrift manage-bde -status gpresult /r Get-ComputerInfo | Select-Object CsName, OsName ipconfig /all hostnamectl && lsblk && timedatectl
Aussonderung: Daten tot, Nummer zu
Ein PC im Schrank ist kein Archiv und kein Löschkonzept. Auf der Platte liegen Konten, Cachedateien, Mail-OSts, Browserprofile, oft Reste von Personal- oder Kundendaten. Weitergeben, verkaufen, spenden oder schrotten ohne Löschung nach Stand der Technik ist eine Offenbarung. Das Inventar muss zu: sonst steht das Gerät ewig als „irgendwie da“ in der Statistik und in der nächsten Audit-Frage.
Datenlöschung
Stand der Technik, nicht Formatieren im Explorer. Bei Vollverschlüsselung oft Crypto-Erase plus Nachweis, dass der Schlüssel weg ist (BitLocker-Key im Verzeichnis gelöscht, TPM klar). Ohne Verschlüsselung: mehrfaches Überschreiben oder Zertifizierung durch eine Stelle, die das Haus anerkennt. Defekte Platten, die nicht mehr beschrieben werden, gehen in die physische Zerstörung, nicht in den Hausmüll. Ein Protokoll mit Seriennummer, Verfahren, Datum, Unterschrift ist der Nachweis. Der Schrank ist keiner.
Inventar und Elektro
Nummer im Bestand schließen, Garantie und Leasingende prüfen, Lizenz vom Gerät lösen wo sie gerätegebunden war. Elektroschrott nach dem Weg, den das Haus mit dem Entsorger vereinbart hat – WEEE, nicht die Restmülltonne, nicht der Kofferraum. Akkus und Datenträger getrennt, wo der Entsorger das verlangt. Zertifikat des Entsorgers abheften, wenn der Vertrag oder der Audit das will. Erst dann ist LF 2 für dieses Gerät zu Ende.
Weitergabe intern
Gerät an eine andere Rolle: Image neu, nicht „User-Profil lassen und hoffen“. Altes Konto weg, BitLocker neu oder Schlüssel neu hinterlegt, Inventar umbuchen, Abnahme der neuen Person. Ein „leih mal kurz“ über drei Jahre ist eine Aussonderung, die nie stattfand, plus ein Konto, das noch Rechte hat.
Eine Woche Lernzeit an LF 2 heißt nicht drei Folien „PC einrichten“. Sie heißt: Bedarf an einem echten Use-Case schreiben, zwei Angebote dagegenlegen, eine Stückliste begründen, ein Image und Least Privilege erklären, eine Abnahmeliste bauen, eine Löschung beschreiben. Die zweite Woche: dasselbe für CAD gegen Kasse gegen Außendienst, und die Abweichungen benennen. Wer nach fünf Sätzen denkt, LF 2 sei erledigt, hat das Lernfeld mit einem Shop-Warenkorb verwechselt.
Prüfung