LF 8 · Daten systemübergreifend · 25/42 · 65 Min. angesetzt – Langform, jedes Wort zählt
Schnittstelle und führendes System
Lernfeld 8 ist in der Verordnung das systemübergreifende Bereitstellen von Daten. Daten verlassen ihr System. An der Grenze entstehen Formatbruch, doppelte Wahrheit, Rechte, die niemand mehr erklären kann, und Auswertungen, die eine alte Zahl als aktuelle verkaufen. Wer Schnittstelle, Format und Berechtigung in einem Absatz zusammenklebt, hat das Lernfeld nicht unterrichtet. Dieses erste Kapitel bleibt beim Vertrag zwischen zwei Systemen und bei der Frage, wer die Wahrheit führt. Formate kommen danach. Rechte über Systemgrenzen danach.
Eine Schnittstelle ist kein Kabel und keine Datei auf dem Desktop. Sie ist ein Vertrag: welche Felder, welcher Zeichensatz, welcher Takt, welche Richtung, was bei Fehler geschieht, wer führt welchen Datensatz. Ohne diesen Vertrag hast du eine Hoffnung und einen Cronjob. Die IHK und der Betrieb wollen denselben Satz: System A gibt Auftragskopf, System B gibt Lagerbestand, keines von beiden erfindet die Kundenstammdaten nebenbei.
Wer führt, bevor das erste Feld wandert
Führendes System heißt: an dieser Stelle sitzt die Wahrheit für diese Entität. Kundenstamm im ERP, Ticket im Servicetool, MAC-Adresse in der Netz-Doku, Kontostand im Bankverfahren – nicht „überall ein bisschen“. Zwei führende Systeme für denselben Kunden sind ein Streit: Welcher Name gilt nach der Heirat, welche Nummer nach dem Import, welches Löschdatum nach der DSGVO-Anfrage. Der Streit landet in der Auswertung und später in der Prüfung als „Dateninkonsistenz“, als hättest du Pech gehabt. Du hattest zwei Quellen ohne Regel.
Schnittstelle
Vertrag zwischen Systemen. Feldliste, Pflicht gegen optional, Zeichensatz, Zeit (Batch nachts, near realtime, Event), Richtung, Authentifizierung, Fehlerkanal. Eine URL ohne Feldliste ist ein Loch, kein Vertrag.
Führendes System
Wo die Wahrheit für eine Entität sitzt. Ein System kann für Kunden führen und für Tickets folgen. Die Matrix Entität gegen führendes System gehört in die Betriebsdoku, nicht in den Kopf des längsten Mitarbeiters.
Folgesystem
Darf kopieren, anreichern, anzeigen – nicht still überschreiben, was es nicht führt. Ein Shop, der ERP-Kundennummern „zur Sicherheit nochmal vergibt“, hat ein zweites führendes System gebaut.
Idempotenz
Dieselbe Nachricht zweimal anwenden erzeugt denselben Zustand, nicht zwei Aufträge. Ohne das macht jeder Retry Doppelbuchungen. Schnittstellen ohne Idempotenz-Schlüssel sind eine Maschine für Nachtarbeit.
Praktische Folge: Bevor du mappst, schreibst du die Matrix. Entität, führendes System, Folgesysteme, Schlüssel (welche Nummer wandert), was bei Löschen und bei Sperre geschieht. Der Schlüssel muss überleben, wenn der Anzeigename wechselt – LF 5 sitzt hier daneben. Ein natürlicher Schlüssel „Name plus PLZ“ zerbricht an Umzug und Tippfehler. Eine stabile ID aus dem führenden System ist langweilig und richtig.
- Entitäten listen, nicht die Marketingnamen der Tools.
- Pro Entität ein führendes System, schriftlich.
- Schlüssel, Takt, Richtung, Fehlerweg.
- Was bei Create, Update, Delete, Sperre passiert – in beiden Systemen.
- Erst dann Format und Mapping, sonst veredelst du Chaos.
- Dateiablage nachts: einfach, sichtbar, oft ohne sauberen Fehlerkanal.
- API (REST, oft JSON): explizite Felder, Auth, bessere Retries – wenn jemand den Vertrag pflegt.
- Bus / Events: entkoppelt, leicht zu einer zweiten Wahrheit, wenn niemand den Konsumenten kennt.
- Menschliche Zwischenschicht (Export, Mail, Excel): immer noch eine Schnittstelle, nur ohne Versionierung.
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