LF 6 · Serviceanfragen · 21/50 · 65 Min. angesetzt – Langform, jedes Wort zählt
Change: Ziel, Risiko, Fenster, Rollback
Auch kleine Eingriffe sind Changes. Ein geänderter DNS-Eintrag, ein Firewall-Loch „nur für heute“, ein Firmware-Stand am Switch, ein Gruppenmitglied „schnell für den Praktikanten“ – alles kann Produktion legen oder Rechte öffnen, die niemand mehr kennt. Deshalb braucht der Change vier Sätze, bevor der erste Befehl läuft: Ziel, Risiko, Fenster, Rollback. Wer das als Bürokratie abtut, hat noch nicht nachts den einen Eintrag gesucht, den niemand notiert hat.
Change heißt: geplante Abweichung vom Ist. Nicht der Heldentrick in der Mittagspause. Die IHK will die vier Teile und den Unterschied Standard gegen Notfall. Der Betrieb will dasselbe, weil am Montag jemand anderes den Schaden erbt. LF 9, LF 7, Verzeichnisdienst: überall gilt diese Akte. Hier lernst du sie vollständig, nicht als Poster.
Vier Sätze vor dem Schnitt
Ziel
Was danach wahr sein soll, messbar. „DNS für intranet.firma.example zeigt auf 10.20.30.40 und löst intern in unter einer Sekunde.“ Nicht „DNS machen“ und nicht „wird schon besser“.
Risiko
Was schiefgehen kann, wen es trifft, wie du das merkst. Ein Patch auf dem einzigen Domain Controller ist anderes Risiko als ein Wallpaper. Risiko ohne Betroffene und ohne Messpunkt ist ein Gefühl.
Fenster
Wann der Eingriff stattfindet, wie lange, wer wach ist, wer den Anwender informiert hat. Nicht „irgendwann nachts“ ohne Telefonkette. Das SLA-Wartungsfenster ist eine Erlaubnis, kein Ersatz für die Ansage an die Buchhaltung.
Rollback
Wie der alte Zustand zurückkommt. Datei oder Befehl schon offen, getestet im Kopf, oft wirklich geübt, bevor der Schnitt sitzt. Ohne Rollback würfelst du gegen den Betrieb. Ein Screenshot der GUI ist ein schwacher Rollback. Die Config-Datei, der Export, der vorherige Firmware-Stand, das deaktivierte Konto statt gelöscht – das sind Rollbacks.
- Ziel in einem Satz, messbar.
- Risiko und Betroffene, plus wie du den Schaden siehst.
- Fenster und wer in der Kette erreichbar ist.
- Rollback-Datei oder -Befehl bereit, nicht „wir merken uns das“.
- Ausführen, eine Variable nach der anderen wo möglich.
- Messen, ob das Ziel wahr ist – gegen die Abnahme, nicht gegen das Gefühl.
- Schreiben, was anders ist. Der Plan nach der Änderung ohne Update ist eine Lüge.
Standard, normal, Notfall
Standard-Change: wiederholt, beschrieben, geringes Risiko, oft vorab genehmigt. Beispiel: User in die übliche Gruppe nach Ticket, neues Postfach nach Katalog. Wer jeden Standard-Change trotzdem als Heldenrettung behandelt, hat den Katalog nicht. Normal-Change: Bewertung, Freigabe, Fenster – die Mehrheit der Eingriffe an Infrastruktur. Notfall-Change: Schaden läuft bereits oder steht unmittelbar bevor. Dokumentation nachziehen am selben Tag, nicht „ewig ohne Akte, weil Feuer war“. Ein Notfall ohne nachgezogenes Ticket ist in der Prüfung und im Audit derselbe Fehler: du kannst nicht zeigen, was du getan hast.
Change
Geplante Abweichung vom Ist, mit den vier Sätzen. Incident-Behebung braucht oft einen Change. Der Incident erklärt das Warum, der Change das Wie.
Standard-Change
Katalog, geringes Risiko, bekannte Schritte, bekanntes Rollback. Abweichst du vom Katalog, ist es keiner mehr.
Normal-Change
Einzelfall mit Bewertung. Wer genehmigt, steht schriftlich. Ein Chat „passt von mir“ ohne Datum ist keine Freigabe.
Notfall-Change
Zeit sticht das normale Fenster. Nicht die Begründung „der Chef will das heute“. Nacharbeit: Ticket, Config, Plan, Post-Mortem in einem Absatz – sonst wiederholt ihr den Brand.
# Rollback sitzt, bevor der Schnitt sitzt cp /etc/named.conf /etc/named.conf.bak-$(date +%F-%H%M) # Windows-Beispiel: Export vor der Gruppenänderung Get-ADGroupMember 'GRP-Lager' | Export-Csv .\grp-lager-vorher.csv
Abnahme nach dem Change ist dieselbe Disziplin wie in LF 9: Zahl, nicht Bauch. Löst der Name. Geht der Dienstport. Ist das Konto in der Gruppe und nur dort. Steht der alte Zustand im Backup, falls ihr zurück müsst. Wer „läuft“ in den Chat schreibt und das Ticket auf gelöst drückt, hat die Akte geschlossen und den Beweis verschenkt.
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