Bodybuilding

Zeigen · 4/4 · 65 Min. angesetzt – Langform, jedes Wort zählt

Entwässern: Wasser, Salz, Kohlenhydrate

Entwässern meint in der Bodybuilding-Sprache nicht „weniger trinken, damit man leichter wird“. Es meint den Versuch, Wasser unter der Haut zu senken und Wasser im Muskel zu halten, damit die Trennung schärfer aussieht. Zwei Wasser gibt es. Eines hängt am Glykogen im Muskel: Kohlenhydrate speichern Wasser dort, wo du voll aussehen willst. Eines liegt im Unterhautgewebe und macht die Haut weich. Wer beides gleichzeitig austrocknet, sieht flach aus, nicht definiert. Wer nur das Unterhautwasser trifft und den Muskel voll lässt, sieht härter aus. Die meisten Versuche treffen das Falsche.

Kohlenhydrate sind der größere Hebel als Durst. In den Tagen vor einem Termin senken viele die Kohlenhydrate, trainieren die Muskeln leer und laden sie danach wieder auf. Der Muskel zieht Wasser mit dem Glykogen. Das ist der „Load“. Protein bleibt hoch, Training wird kürzer, damit der Muskel die Kohlenhydrate nicht sofort wieder verbrennt. Zu viel Load auf einmal bläht den Bauch. Zu wenig lässt die Muskeln leer. Das probt man an einem unwichtigen Wochenende, nie zum ersten Mal vor einer Bühne. Die Menge ist individuell und hängt am Körpergewicht und daran, wie leer der Muskel wirklich war. Es gibt keine Zahl, die für jeden gilt.

Natrium und Wasser hängen an Aldosteron und ADH, den Hormonen, die Salz und Flüssigkeit halten. Wer tagelang sehr viel trinkt und sehr salzig isst und dann beides abrupt streicht, hängt einem Hormon hinterher, das noch auf „halten“ steht, während von außen nichts mehr kommt – oder umgekehrt, das Hormon kippt und der Körper spült. Deshalb gibt es die Idee „erst hoch, dann runter“. Der Zeitpunkt, an dem die Haut dünn wird, und der Zeitpunkt, an dem du Krämpfe, Schwindel und einen stehenden Puls bekommst, liegen dicht beieinander. Hitze, Sauna oder ein heißes Bad treiben zusätzlich Schweiß aus. Schweiß ist nicht nur Wasser. Kalium und Natrium gehen mit. Ein heißer Cut plus kein Trinken plus ein Diuretikum ist die Kombination, nach der Menschen auf der Bühne umkippen.

Diuretika sind Medikamente, die die Niere zwingen, Salz und Wasser abzugeben. Schleifendiuretika, Thiazide und kaliumsparende Mittel tun das an verschiedenen Stellen der Niere. Der Preis ist das Elektrolyt, vor allem Kalium: zu niedrig und der Herzrhythmus wird instabil. Das ist keine Stilfrage. In den meisten Verbänden sind sie verboten, in Deutschland sind sie verschreibungspflichtig, und eine Dosierung gehört nicht in ein Trainingslexikon, weil sie ohne Labor und ohne Arzt genau der Weg in die Notaufnahme ist. Abführmittel entwässern nicht den Muskel, sie leeren den Darm und ziehen Flüssigkeit aus dem Kreislauf. Koffein in gewöhnlichen Mengen ist kein Cut-Protokoll.

Was du als Wissen behältst, ohne ein Rezept zu fahren: Die Form der letzten sechzehn Wochen schlägt die letzten sechzehn Stunden. Glykogenvoll sieht besser aus als ausgetrocknet. Ein moderates Defizit, Protein, Krafttraining, Schlaf. Wer trotzdem manipuliert, ändert nur eine Variable, die er schon einmal geprobt hat, hört bei Krampf, Schwindel, Herzstolpern oder dunklem Urin auf und trinkt dann, statt „durchzuhalten“. Die Suche in diesem Lexikon findet dazu auch Peak Week, Glykogen und Diuretikum. Einen Stundenplan mit Litern und Tabletten gibt es hier bewusst nicht.

  • Unterhautwasser und Muskelwasser sind nicht dasselbe.
  • Kohlenhydrat-Load füllt den Muskel, Durst leert oft beides.
  • Salz und Wasser kippen Hormone mit Verzögerung.
  • Diuretika: Mechanismus ja, Dosierung nein, Verbot und Herzrisiko ernst.

Prüfung

Entwässern soll im Idealfall …